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Martin Volgger

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Krisenintervention im Wettkampfsport

Die Fußball-Weltmeisterschaft begeistert Millionen Menschen. Sie soll ein Fest des Sports sein – geprägt von Leidenschaft, Respekt und Fair Play. Doch wer die Spiele aufmerksam verfolgt, gewinnt häufig einen anderen Eindruck.

Immer wieder sind harte Fouls, Tritte, Rempler, Halten und taktische Unsportlichkeiten zu sehen. Vieles davon bleibt jedoch ohne die Konsequenzen, die das Regelwerk eigentlich vorsieht. Gelbe oder gar rote Karten werden nur selten gezeigt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Härte und Regelverstöße zunehmend zum normalen Bestandteil des Spiels werden.

Dabei stellt sich eine wichtige Frage: Welches Signal senden wir damit an Kinder und Jugendliche? Profifußballer, aber auch Spitzensportler aus anderen Sportarten, nehmen eine große Vorbildfunktion ein. Wenn junge Spieler erleben, dass grobe Fouls oft folgenlos bleiben, geraten Werte wie Respekt, Fairness und gegenseitige Rücksichtnahme in den Hintergrund. Fair Play darf keine leere Floskel sein, sondern muss auf dem Platz und im Leben konsequent gelebt und durchgesetzt werden.

Besorgniserregend ist auch eine gesellschaftliche Entwicklung, in der Gewalt zunehmend als Unterhaltung vermarktet wird. Der amerikanische Präsident hat sich zu seinem 80igsten Geburtstag einen Käfigkampf vor dem Weißen Haus gewünscht. Bei den meisten Kampfsportarten gibt es klare Regeln, bei Käfigkämpfen sind diese Regeln aber aus meiner Sicht viel zu extrem aufgeweicht. So entstehen Bilder, in denen auf bereits am Boden liegende oder wehrlose und blutende Gegner eingeschlagen wird und die stehen im Widerspruch zu dem Gedanken des respektvollen sportlichen Miteinanders. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn dann auch Kinder und Jugendliche Menschen weiterhin attackieren, obwohl sie schon besiegt sind und sich nicht mehr wehren können.

Sport sollte verbinden, nicht verrohen. Er sollte junge Menschen lehren, Regeln einzuhalten, Niederlagen zu akzeptieren und Gegner mit Respekt zu behandeln. Deshalb tragen Verbände, Schiedsrichter, Vereine und auch öffentliche Persönlichkeiten eine besondere Verantwortung.

Wenn Fair Play nur noch ein Werbeslogan ist, während auf dem Spielfeld oder in der öffentlichen Inszenierung andere Maßstäbe gelten, verlieren wir genau jene Werte, die den Sport so wertvoll machen. Und ja, Fair-Play-Aktionen, wie sie der VSS in Zusammenarbeit mit dem Fußballverband vor 2 Jahren durchführten, laufen ins Leere. Es ist an der Zeit, Fairness wieder konsequent einzufordern – nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln.