
Die Macht der Trainer*innen
Trainer*innen haben im Sport eine besondere Macht. Sie können Kinder und Jugendliche begeistern, ihnen Selbstvertrauen geben und ihnen zeigen, wie schön Bewegung, Teamgeist und gemeinsames Lernen sein können. Sie können aber auch – oft ohne es zu beabsichtigen – Druck erzeugen, Angst verstärken und den Spaß am Sport nehmen.
Gerade deshalb sollte die erste Aufgabe von Trainer*innen nicht darin bestehen, möglichst früh möglichst viel Leistung herauszuholen. Kinder sollen zunächst gerne Sport treiben. Sie sollen erleben: Ich darf ausprobieren, Fehler machen, lernen und mich entwickeln. Leistung darf wichtig sein – aber sie sollte nicht zum Maßstab dafür werden, welchen Wert ein Kind hat.
Dazu gehört auch, dass Trainer*innen ihre eigene Haltung zur Leistung hinterfragen. Was bedeutet Leistung für mich? Wie reagiere ich auf Fehler? Was vermittle ich einem Kind, wenn es verliert? Und wie spreche ich mit einem Jugendlichen, der gerade nicht die Leistung bringt, die ich von ihm erwarte?
Ein hilfreicher Gedanke kann dabei sein: Welches Problem löst dieses Verhalten für dieses Kind gerade? Ein Kind, das im Wettkampf plötzlich blockiert, ein Training verweigert oder besonders aggressiv reagiert, tut dies möglicherweise nicht, weil es „keine Einstellung“ hat. Vielleicht versucht sein System gerade, etwas Wichtiges zu schützen: vor Versagen, Beschämung, Überforderung oder dem Verlust von Anerkennung.
Die Würdigung des Kindes/Jugendlichen
Das Erklärungsmodell menschlichen Verhaltens der individuellen Nutzenmaximierung kann dabei eine interessante Perspektive bieten. Menschen handeln innerhalb ihrer jeweiligen Möglichkeiten so, wie es für ihr System sinnvoll ist (meistens unbewusst). Das muss langfristig keineswegs die beste Lösung sein. Ein Jugendlicher kann beispielsweise lieber auf einen mutigen Versuch verzichten, wenn die Angst vor einem Fehler im Moment größer ist als der erwartete Nutzen des Erfolgs.
Trainer*innen können diesen jungen Menschen helfen, indem sie nicht nur fragen: „Warum hast du das nicht gemacht?“ oder „Du musst dich nur noch mehr anstrengen, dann funktioniert das“ oder „Du brauchst nicht nervös sein“, sondern auch:
„Nervosität ist auch was Gutes, es zeigt dass du dich anstrengst und lernen willst“ und “ Vielleicht magst du mal mit mir darüber nachdenken, was für dich das Schlimmste ist, was deiner Meinung nach passieren kann, wenn …?
Das bedeutet nicht, Leistung unwichtig zu finden. Im Gegenteil. Es bedeutet, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Leistung sich entwickeln kann.
Ein guter Trainer formt nicht nur Sportler*innen. Er prägt Menschen. Deshalb sollte jedes Training neben Technik, Taktik und Leistung auch eine Botschaft vermitteln:
Du bist willkommen. Du darfst Fehler machen. Du darfst dich entwickeln. Und deine Leistung bestimmt nicht deinen Wert.



