
Der Freispruch
Es ist sehr erfreulich, dass es den Anwälten von Rebecca gelungen ist, ihre Unschuld zu beweisen, sodass sie auch zu den Olympischen Spielen zugelassen wurde. Dies war nur möglich, weil die Sachlage eindeutig war. Damit bestätigte sich auch meine persönliche Einschätzung, die ich beim Interview zum Dopingverdacht von Rebecca Passler (RAI – Südtirol 1) geäußert habe. Ich konnte mir schon damals nicht vorstellen, dass Rebecca absichtlich gedopt hat.
Bleibt zu hoffen, dass Rebecca und ihre Angehörigen diese belastende Situation nun bald vollständig hinter sich lassen können.
Das große mediale Interesse bei Dopingverdacht!
Wenn eine Athletin unter Dopingverdacht gerät, entsteht häufig ein hoher öffentlicher Druck. Medien suchen nach psychologischen Erklärungen: Was passiert in der Gesellschaft, wenn ein Dopingfall bekannt wird? Warum dopt jemand? Welche Persönlichkeitsmerkmale spielen eine Rolle? War der Druck zu groß?
Sollten/müssen sich Sportpsycholog*innen Medienanfragen verweigern?
Nein. Gerade in emotional aufgeladenen Situationen – etwa bei einem Dopingverdacht – braucht es eine fachliche Einordnung, allerdings ohne Spekulationen. Deshalb vertreten wir zunächst immer die Unschuldsvermutung. Solange kein definitiver Beweis für absichtliches Doping vorliegt, halten wir konsequent an der Unschuldsvermutung fest. Das bedeutet, dass wir keine Spekulationen zulasten der betroffenen Athletin oder des betroffenen Athleten äußern. Und selbst wenn eine Athletin überführt wurde, agieren Sportpsycholog*innen nicht mit Schuldzuweisungen, sondern bemühen sich darum, die psychische Situation der betreffenden Person zu verstehen und einzuordnen.
Was wir jedoch tun, ist eine sachliche Information über die Auswirkungen eines Dopingverdachts oder eines Dopingfalls auf Athletinnen, Trainerinnen, Teams und weitere Beteiligte zu geben.
Warum eine Verweigerung öffentlicher Stellungnahmen problematisch ist
Wir Sportpsycholog*innen tragen eine gesellschaftliche Verantwortung. Das Thema Dopingverdacht bzw. Doping gehört zu den Arbeitsbereichen, mit denen wir uns befassen. Es handelt sich um ein sehr sensibles Feld, das schnell in jede Richtung Schaden anrichten kann. Deshalb ist es wichtig, in solchen Situationen Stellung zu beziehen. Tun wir das nicht,
- übernehmen häufig unsachliche Stimmen die Deutungshoheit,
- entstehen vereinfachende oder moralisierende Narrative,
- fehlt eine wissenschaftlich fundierte psychologische Perspektive.
Institutionen, wie die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) oder die International Society of Sport Psychology betonen die gesellschaftliche Verantwortung der Profession unter Einhaltung ethischer Grundwerte.




