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Martin Volgger

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Leben im Gleichgewicht

Wenn innere Bedürfnisse miteinander Frieden schließen

Unser Leben besteht aus vielen unterschiedlichen Bedürfnissen. Wir möchten sicher sein und zugleich etwas wagen. Wir wollen dazugehören und trotzdem unsere eigenen Grenzen achten. Wir wünschen uns Erfolg, brauchen aber auch Erholung.

Manchmal geraten diese Bedürfnisse miteinander in Konflikt. Ein Teil von uns möchte handeln, ein anderer zieht sich zurück. Ein Teil sucht Nähe, ein anderer Schutz. Dann fühlen wir uns innerlich zerrissen.

Eine hilfreiche Vorstellung ist die einer inneren Friedenskonferenz. Dabei geht es nicht darum, einen inneren Anteil zu besiegen. Vielmehr dürfen die unterschiedlichen Bedürfnisse gehört werden:

  • Was möchte dieser Teil erreichen?
  • Wovor möchte er mich schützen?
  • Was ist mir gerade besonders wichtig?
  • Gibt es eine Lösung, die mehreren Bedürfnissen gerecht wird?

Eine Friedensvereinbarung könnte lauten: „Du darfst vorsichtig sein – und ich darf trotzdem einen kleinen Schritt wagen.“
Oder: „Anderen zu helfen ist mir wichtig – und meine eigenen Grenzen sind ebenfalls wichtig.“

Eine solche Vereinbarung bleibt zunächst ein Gedanke. Veränderung entsteht durch neue Erfahrungen: Der Mensch handelt vorsichtig anders und erlebt, dass die befürchtete Gefahr ausbleibt oder sich eine Situation besser bewältigen lässt. Dadurch lernt das innere System, dass neben der bisherigen Schutzstrategie auch eine andere Lösung möglich ist.
Mit der Zeit verändert sich die Gewichtung: Die Angst muss nicht verschwinden, bekommt aber weniger Raum. Freiheit, Vertrauen und Entwicklung können stärker werden. So entsteht Schritt für Schritt eine neue Dosierung zwischen Schutz und Lebensfreude.

Hier liegt auch die Bedeutung einer werteorientierten Erziehung. Kinder lernen nicht nur Regeln. Sie lernen durch Vorbilder und Erfahrungen, was wertvoll, notwendig und schützenswert ist. Ehrlichkeit, Rücksicht, Hilfsbereitschaft, Respekt und Selbstachtung können dadurch zu inneren Orientierungspunkten werden.

Ein besonders wichtiger Leitsatz könnte sein:

„Leben und leben lassen.“

Wenn Kinder erleben, dass ihre eigenen Bedürfnisse zählen und zugleich die Bedürfnisse anderer geachtet werden, können sich solche Werte tief verankern. Sie werden später möglicherweise auch unbewusst handlungsleitend und stärken ein friedliches Miteinander.

Die individuelle Nutzenmaximierung bedeutet dabei nicht Egoismus oder bewusste Berechnung. Sie beschreibt die menschliche Funktion, unter den jeweiligen Bedingungen das zu schützen oder anzustreben, was gerade besonders bedeutsam erscheint. Dazu können Sicherheit, Freiheit, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit oder das Wohlergehen anderer gehören.

Die persönliche Friedenskonferenz beginnt mit einem einfachen Satz:

„Ich höre euch beide. Lasst uns eine Lösung finden, mit der wir weiterleben können.“