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Martin Volgger

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Olympia

Großereignisse wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften stellen für Athletinnen und Athleten – insbesondere für Favoriten – eine besondere mentale Herausforderung dar. Olympische Spiele finden nur alle vier Jahre statt, und gerade diesen Wettkampf, ebenso wie eine Weltmeisterschaft, „darf man nicht vermasseln“. Der Unterschied zwischen einem „normalen Wettkampf“ und einem sportlichen Großereignis liegt dabei weniger in den körperlichen Anforderungen als vielmehr in der psychischen Situation. Enorme Erwartungen, mediale Aufmerksamkeit, Zeitdruck und die Einmaligkeit des Moments stellen vor allem mentale Hürden dar, auf die man gezielt vorbereitet sein sollte.

Ein zentrales Element der mentalen Vorbereitung ist der Umgang mit Druck, der durch neue und bislang unbekannte Auslöser entsteht. Ziel des mentalen Trainings ist es zunächst, sich ehrlich einzugestehen, wie stark sich die emotionale Ausgangslage bei einem solchen Wettkampf verändert. Häufig wird dieses erhöhte Erwartungsniveau heruntergespielt, was dazu führen kann, dass Athletinnen und Athleten in der Wettkampfsituation plötzlich nicht mehr auf ihre gewohnten Strategien der Stressregulation zurückgreifen können.

Erst wenn dieses wichtige Eingeständnis erfolgt und eine ehrliche Selbstreflexion stattfindet, ist der Weg für eine wirksame mentale Vorbereitung frei. Wer versteht, dass ein erhöhter emotionaler Zustand bei einem Großereignis durchaus auftreten kann – etwa in Form von übersteigerten Erwartungen, Zweifeln oder Ängsten –, wird davon weniger überrascht und kann bereits erlernte mentale Techniken gezielt zur Regulation einsetzen.

Ein weiterer wesentlicher Schritt in der mentalen Vorbereitung ist das Durchspielen, also die Visualisierung, der veränderten Wettkampfsituationen. Ungewohnte Abläufe, lange Pausen, eine deutlich stärkere mediale Präsenz und andere Besonderheiten werden analysiert und mental vorweggenommen. Wichtig ist dabei, nicht nur eine einzige Variante dieser Abläufe zu visualisieren. Ziel ist es, auf mögliche „Überraschungen“ flexibel reagieren zu können. Athletinnen und Athleten stellen sich neue Stadien, andere Lichtverhältnisse, fremde Geräuschkulissen oder veränderte Zeitpläne vor. Dadurch wird die Situation mental vertraut, noch bevor sie real eintritt.

Nicht zuletzt spielt die Stabilisierung der Selbstwirksamkeit eine entscheidende Rolle. Athletinnen und Athleten, die sich ihrer Fähigkeiten bewusst sind und auf bereits bewältigte Herausforderungen zurückblicken, gehen mit größerer innerer Überzeugung in den Wettkampf. Rituale und persönliche Routinen können diesen Zustand zusätzlich festigen.