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Wenn der Underdog gewinnt

Bei der letzten Europameisterschaft war es wieder mal so weit. Der klare Außenseiter, in dem Fall war es die Schweiz (mitunter auch Tschechien und Österreich), gewinnt gegen den unbestrittenen Favoriten, den Weltmeister Frankreich. Auch Tschechien gelingt ein ähnliches Kunststück gegen die höher eingeschätzten Niederländer und Österreich zeigt gegen Italien eine unglaubliche Leistung, welche die Azzurri bis in die letzten Minuten mächtig ins Schwitzen bringt.
Ähnliche Überraschungen gibt es aber nicht nur in den Mannschaftssportarten, nein auch in den Individualsportarten kommt es immer wieder zu diesem gar nicht so seltenen Phänomen, das den Zuschauern besonders viel Spaß macht. Wenn plötzlich der „Underdog“ das Heft in die Hand nimmt und den Favoriten in die Knie zwingt, dann identifizieren sich die Zuschauer mit dem/n Helden, die Masse der Menschen schlüpft in diese Rolle des „David“ und erlebt das Märchen.
Aus psychologischer Sicht lassen sich die psychologischen Dynamiken, welche hinter dem Versagen des vermeintlich Überlegenen und dem über sich hinauswachsenden vermeintlich Unterlegenen wie folgt erklären. Grundsätzlich hat der Favorit immer mehr zu verlieren als der Außenseiter. Wer gegen einen schwächeren Gegner verliert wird zurückgestuft, so spielen sich in den Köpfen der Favoriten vermehrt Bedrohungsszenarien (Angst vor Blamage, Kritik, soziale Abwertung) ab, insbesondere dann, wenn das Spiel zu kippen gerät. Diese Negativgedanken sind eine echte Gefahr, denn sie haben einen direkten Einfluss auf Konzentration und den Glauben an die eignen Fähigkeiten. Und diese sind wiederum wichtig für das sog. Flow-Gefühl. Das ist ein im Sport und privaten Bereich sehr erstrebenswerter Bewusstseinszustand, der lang eintrainierte Automatismen (ohne intensive Denkphasen) ins Laufen bringt und die Konzentration auf das Hier und Jetzt scheinbar mühelos ermöglicht (Csikszentmihalyi, 1975).
Der Underdog spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle, wenn es um die Verunsicherung des Favoriten geht. Unbekümmert, frech, aggressiv, respektlos und handlungsorientiert sind Eigenschaften, die Leistungskompetenzen zugriffig machen, und gleichzeitig sind sie auch eine Angst-machende Botschaft an den Gegner. Wenn dann der Favorit vermehrt Fehler macht, wächst der Glaube an die Möglichkeit, Goliath besiegen zu können. Und dann passiert genau das, was den Wettkampfsport so sehenswert macht.

Fazit: Athleten aber auch Trainer müssen sich durch ein gezieltes Einstellungstraining auf solche Situationen vorbereiten, letztendlich ist der Kopf der entscheidende Muskel.   

Wenn der Schwächere siegt, jubelt das Volk!

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