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Martin Volgger

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Gedanken

Wir alle möchten uns als wertvoll erleben. Wir möchten das Gefühl haben, gut genug zu sein, dazuzugehören und von anderen akzeptiert zu werden. Deshalb kann es uns stark belasten, wenn wir Fehler machen, kritisiert werden oder scheitern. Manchmal fühlt es sich dann nicht so an, als hätten wir etwas falsch gemacht, sondern als wären wir selbst nicht gut genug.

Unser inneres System versucht, uns vor solchen belastenden Erfahrungen zu schützen. Es möchte verhindern, dass wir uns minderwertig, unfähig oder abgelehnt fühlen. Dieser Schutz läuft häufig automatisch ab, ohne dass wir es bewusst bemerken. Unser Denken, Fühlen und Handeln können dadurch beeinflusst werden.

Wie sich dieser Schutz zeigt, ist unterschiedlich. Manche Menschen wollen alles perfekt machen. Andere suchen Ausreden, vermeiden schwierige Situationen oder werten ihre Erfolge ab. Wieder andere nehmen Kritik sofort persönlich oder vergleichen sich ständig mit anderen. Solche Reaktionen können kurzfristig entlasten, langfristig aber neue Probleme verursachen.

Ein Beispiel: Ein junger Sportler hat große Angst, Fehler zu machen, weil er glaubt, dadurch als schlechter Sportler dazustehen. Um Fehler zu vermeiden, kontrolliert er jede Bewegung. Dadurch spielt er verkrampft und macht möglicherweise gerade deshalb mehr Fehler. Seine Angst scheint sich zu bestätigen. Was ihn schützen sollte, verstärkt nun das Problem.

Das Paradoxe daran: Was uns kurzfristig schützen soll, kann uns langfristig daran hindern, uns weiterzuentwickeln. Wir vermeiden vielleicht Herausforderungen, die uns wachsen lassen könnten, oder halten an Verhaltensweisen fest, die uns längst nicht mehr helfen.

Deshalb hilft es wenig, diese Reaktionen einfach zu bekämpfen oder sich einzureden, dass man selbstbewusster sein müsse. Hilfreicher ist es, neugierig zu untersuchen, wovor man sich eigentlich schützen möchte. Welche Befürchtung steckt hinter der Angst? Was glauben wir zu verlieren, wenn wir einen Fehler machen oder andere enttäuschen?

Wir können lernen, Fehler zu machen, ohne uns selbst als Fehler zu betrachten. Wir können Kritik annehmen, ohne unseren gesamten Wert infrage zu stellen. Und wir können erleben, dass wir auch dann dazugehören und wertvoll sind, wenn uns etwas nicht gelingt. Denn unser Selbstwert muss nicht davon abhängen, dass wir immer erfolgreich sind oder Erwartungen anderer zuverlässig erfüllen können.

Das Ziel ist nicht, jeden Selbstzweifel zu beseitigen. Es geht darum, dass wir uns von ihm weniger bestimmen lassen. Wir dürfen uns schützen wollen und gleichzeitig lernen, neue Wege zu gehen.